Rollpiano
Ein Klavier, ein Klavier, Ebay, wir danken Dir!
Geschrieben um 21:53 von Martin.

Als ich die Rollpianos vor etwa einem Jahr zum ersten Mal irgendwo im Netz gesehen hatte konnte ich mich noch zurückhalten – diese Zurückhaltung hat gerade geendet. Seit ich die ersten Folientastaturen und abwaschbaren Faltkeyboards gesehen habe dachte ich schon, dass man damit doch eine der (für mich) interessantesten Zukunftsvisionen aus Star Trek wahr machen könnte: Das Rollpiano, mit dem Picards Fast-Freundin in den Tiefen des Schiffs mit ihm spielt.

Aber erst zu dem Hier und Jetzt. Das Rollpiano (ich habe mir dann, um überhaupt sinnvoll da zwei Hände drauf unterzukriegen auch gleich die 61-Tasten Variante gegönnt) ist tatsächlich nachhaltig cool und gar nicht so schlecht zu spielen wie ich befürchtete. Natürlich hat’s keine Anschlagsdynamik und was viel schlimmer ist: Keine erhabenen schwarzen Tasten; was es meinen Fingern schwer macht irgendwelche Akkorder ausserhalb von C-Dur blind zu finden; aber ansonsten ist der Eindruck echt überzeugend. Allein die Tatsache, dass man (4 Batterien und eine flache Unterlage vorausgesetzt) jederzeit und überall Klavier spielen kann macht das alles wieder wett. Ich überlege neben den geplanten und offensichtlichen Einsätzen beim Segeln und auf Chorfreizeiten ob ich’s aus Scherz mal mit auf die nächste ICE-Fahrt nehmen soll – mit Kopfhörern dürfte ich ausser meinem Nachbarn, der dann keinen Platz auf dem Tisch mehr hätte, ja keinen stören :-).

Die Features mit denen es angepriesen wird sind mehr unter “konnte der Chipsatz halt sowieso schon” einzuordenen, so hat man Zugriff auf 128 “verschiedene” (realistisch vielleicht 20) Soundsamples aus der General Midi Palette und auch 128 Rhythmen, wobei ich noch nicht herausgefunden habe wie, bzw. ob man überhaupt das Tempo ändern kann. Auch die 64 Songs (davon 30 chinesische) die dabei sind haben eher unfreiwilligen Unterhaltungswert. Nützlich hingegen ist die Wahl zwischen Batterien und Netzteil sowie Anschlüsse für Verstärker und Kopfhörer – der eingebaute Lautsprecher ist grausam.

Zusammengerollt ist das ganze nur ungefähr ein Kilo schwer und so tatsächlich gut transportabel.

Irritierend war es, gestern dann gleich die Star Trek - The Next Generation Folge zu schauen, in der (immerhin 1993) ein solches Klavier schon visioniert wurde. Wie schlecht allerdings, darauf war ich nicht vorbereitet…

In meiner Erinnerung war das, was ich jetzt besitze auch genau so schon damals vorausgesehen worden. Ich hatte vor meinem inneren Auge eine grosse, schwarz-weisse Klaviatur, die ausser den Tasten nichts mehr drumrum hat und nicht dicker als eine Tischdecke ist.

Das war – um es mal so auszudrücken – falsch.

Das Klavier aus “Lessons” (“Der Feuersturm”) hatte gerade mal Zweieinhalb Oktaven, die waren zudem noch mit goldenen Halbtönen ausgestattet und um die Klaviatur drumrum gab es unnötig grosse Knöpfe und Steuerelemente. Zu allem Übel (siehe linkes Bild, klicken zum vergrößern) war die Klaviatur noch falsch: die Taste mit dem Pfeil sollte eigentlich nicht existieren. Darüber könnte man natürlich hinwegsehen, und denken, dass im 24. Jahrhundert vielleicht noch ein Ton zwischen das E und das F gehört um die 13-Ton-Musik von Schönbergs Erben praktizieren zu können. Aber Zweieinhalb Oktaven? Und dann Beethovens Mondscheinsonate?

Dieser Trip in die Jugend ist um so ernüchternder wenn man in der Szene als das Klavier zum ersten Mal auftaucht nur denkt “Was ist das denn? Meins aus dem 21. Jahrhundert ist ja besser” während Picard nur in perfektem Oxford-English “Remarkable!” spricht, als ihm das Rollpiano vorgeführt wird.

Was lernen wir daraus: Erinnerungen trügen und die Technik ist schneller als von Star Trek erwartet. Beamen können wir noch nicht, aber zumindest die Unterhaltungsindustrie kann mit den Visionen standhalten. Schade nur, dass ich mein real existierendes Rollpiano nie am vierten Schnittpunkt der Jefferiesröhre 25 spielen kann – dem akustisch perfektesten Platz auf der Enterprise D.

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Die Vorlagen für die Hintergrundbilder sind größtenteils von mir oder von Leuten, die mit mir Segeln waren, die CT-Scans im Hintergrund sind von meinem Kopf und von 1997 und alle Texte sind von mir. An dieser Stelle einen großen Dank an Axel Beckert, ohne dessen Hilfe und Codebeispiele ich noch ca. 2 Jahre gebraucht hätte um durch Blosxom durchzusteigen :-).

Martin Gisch - Großherzog-Friedrich-Str. 70 - 66121 Saarbrücken

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